Vermessung des Schwarzmarktes für Onlineglücksspiel in Deutschland: Studie abgeschlossen und veröffentlicht

Wir freuen uns, den erfolgreichen Abschluss und die Veröffentlichung unserer empirischen Studie „Die Vermessung des Schwarzmarktes für Onlineglücksspiel in Deutschland“ bekanntzugeben. Die Studie wurde vom Blockchain Research Lab durchgeführt und von der Gemeinsamen Glücksspielbehörde der Länder (GGL) beauftragt. Die Untersuchung wurde im Jahr 2024 bis April 2025 durchgeführt. Sie stellt den ersten umfassenden Versuch in Deutschland dar, eine kritische methodische Analyse mit einer Befragung von Glücksspielenden zu kombinieren, um Größe, Struktur und Dynamik des illegalen Onlineglücksspielmarktes zu untersuchen.

Ein neuer Ansatz zur Messung des Schwarzmarktes

Aufbauend auf früheren Forschungsarbeiten verfolgt die Studie einen zweigeteilten Ansatz:

  • Teil I bewertet systematisch bestehende Methoden zur Schätzung der Größe des Schwarzmarktes, darunter Web-Traffic-Analysen, Verhaltensdaten, Proxyvariablen und Befragungen.
  • Teil II führt einen neuartigen Bottom-up-Ansatz ein, der auf einer nicht repräsentativen Befragung von 2.000 Glücksspielenden basiert und direkte Einblicke in Spielverhalten, Ausgabenmuster und Anbieterwahl ermöglicht.

Diese Kombination erlaubt eine differenziertere Einordnung des Schwarzmarktes und adressiert zentrale Schwächen bisheriger Schätzansätze.

Zentrales Ergebnis: Der Schwarzmarkt ist signifikant, aber nicht dominant

Die Ergebnisse bestätigen, dass der regulierte Markt den Großteil der Onlineglücksspielaktivitäten in Deutschland ausmacht, der Schwarzmarkt jedoch wirtschaftlich sehr relevant ist:

  • Rund 20,3 % der von den Befragten genannten Anbieter waren nicht lizenziert.
  • Etwa 22,4 % der Spieleinsätze und 22,97 % der Verluste entfielen auf illegale Anbieter.
  • Der geschätzte Bruttospielertrag des Schwarzmarktes belief sich im Jahr 2024 auf 547 Mio. Euro.

Diese Ergebnisse verdeutlichen, dass illegale Anbieter gemessen an ihrer Anzahl einen überproportional hohen Anteil an den Spieleinsätzen und Verlusten auf sich vereinen.

Unterschiede im Nutzungsverhalten und Risikoprofil

Die Studie identifiziert mehrere statistisch signifikante Unterschiede im Spielverhalten zwischen lizenzierten und nicht lizenzierten Anbietern. Glücksspiel auf unregulierten Plattformen ist mit höheren Einsätzen pro Sitzung, höheren monatlichen Verlusten, längeren Sitzungsdauern sowie einer höheren Spielhäufigkeit verbunden. Diese Ergebnisse zeigen, dass Glücksspielaktivitäten auf nicht lizenzierten Anbietern über verschiedene Dimensionen hinweg intensiver ausfallen.

Zwar weisen Nutzer nicht lizenzierter Anbieter auch höhere durchschnittliche PGSI-Werte sowie den höchsten beobachteten Anteil problematischen Spielverhaltens auf (rund 53 % bei ausschließlicher Nutzung nicht lizenzierter Anbieter), doch sind die Unterschiede zwischen den Nutzergruppen sind statistisch nicht signifikant. Insgesamt fallen rund 50% der Befragten in die höchste Risikokategorie

Stark divergierende Wahrnehmung des Lizenzstatus

Darüber hinaus untersucht die Studie, ob Spielende bei der Auswahl von Anbietern auf deren Lizenzierung achten. Auf die Frage, ob sie berücksichtigen, ob ein Anbieter über eine deutsche Lizenz verfügt, antworteten insgesamt 58,9 % der Befragten mit „ja“. Die Ergebnisse unterscheiden sich jedoch deutlich zwischen den Nutzergruppen: 72,8 % bei ausschließlicher Nutzung lizenzierter Anbieter, 47,2 % bei Nutzung sowohl lizenzierter als auch nicht lizenzierter Anbieter und 13,7 % bei ausschließlicher Nutzung nicht lizenzierter Anbieter.

Weiterentwicklung von Messmethoden und Monitoring

Ein zentraler Beitrag der Studie ist die Weiterentwicklung der Methodik zur Vermessung und dem Monitoring des Schwarzmarktes für Glücksspiele. Durch die Kombination etablierter Top-down-Ansätze mit einer Bottom-up-Spielerbefragung zeigt die Studie, wie unterschiedliche Datenquellen systematisch zusammengeführt werden können, um die Aussagekraft zu erhöhen und methodische Verzerrungen zu reduzieren. Die Befragung erfasst Verhaltensvariablen wie monatliche Einsätze, monatliche Verluste, sitzungsbasierte Aktivität sowie Anbieterwahl und ermöglicht damit sowohl die Schätzung relativer Marktanteile als auch die Hochrechnung absoluter Marktgrößen. Auf dieser Grundlage schafft die Studie die Voraussetzungen für ein regelmäßiges, longitudinales Monitoring des Schwarzmarktes und unterstreicht die Bedeutung der Integration verhaltensbasierter Daten, vielfältiger Analyseansätze und neuer datengetriebener Technologien für zukünftige Analysen.

Ausblick

Trotz der Limitationen einer nicht repräsentativen Befragung bietet diese Studie neue und wesentliche empirische Einblicke in Deutschlands Onlineglücksspielmarkt und entwickelt die methodische Herangehensweise für ein kontinuierliches Monitoring fort. Sie macht deutlich, dass eine kontinuierliche Datenerhebung und methodische Weiterentwicklung erforderlich sind, insbesondere vor dem Hintergrund der Dynamik digitaler Märkte und der Grenzen befragungsbasierter Ansätze. Zukünftige Forschung sollte an diese Arbeit anknüpfen und durch wiederholte Panelbefragungen sowie integrierte Monitoringsysteme die Entwicklung des Marktes über die Zeit hinweg verfolgen. Dies ermöglicht es, regulatorische Maßnahmen und deren Wirkung fundierter zu evaluieren.

Die Studie kann hier heruntergeladen werden.

Weitere Informationen der GGL finden sich hier und hier.